Der unterschätzte Recruiting-Kanal: Mitarbeiterempfehlungen
Warum Mitarbeiterempfehlungen so kraftvoll sind
Mitarbeitende sind die glaubwürdigsten Markenbotschafter - doch gleichzeitig sind Mitarbeiterempfehlungen einer der am wenigsten genutzten Recruitingkanäle. Dabei sind sie effizient, authentisch und wirken stärker als jede Employer-Branding-Kampagne.
HR Know-how | Adel Harchouche

Persönliche Empfehlungen überzeugen

Ist dir schon einmal aufgefallen, dass Arbeitgeber, bei denen Freunde oder Bekannte arbeiten, auf dich automatisch sympathischer wirken? Vor allem dann, wenn sie dir erzählen, wie gerne sie dort tätig sind, wie das Team funktioniert oder weshalb sie sich wohlfühlen. Da spielt es keine Rolle, ob die Organisation gross, klein, namhaft oder völlig unbekannt ist. 

Es löst in uns das Gefühl aus, dass dort etwas stimmen muss, weil wir dieser Person vertrauen. 


Wenn dir jemand aus deinem Umfeld offen von seinem Arbeitgeber erzählt, verändert das deine Wahrnehmung der Organisation, unabhängig davon, wie deine Aussenwirkung zuvor war. 


In solchen Situationen tritt selbst die stärkste Arbeitgebermarke in den Hintergrund. Der Grund dafür ist simpel: Persönliche Beziehungen und echte Erfahrungen aus dem eigenen Umfeld erwecken mehr Vertrauen als Unternehmensmarken. Gerade deshalb sind Mitarbeiterempfehlungen im Recruiting so wertvoll, denn sie basieren auf realen Beziehungen und echter Glaubwürdigkeit.

Der Vertrauenseffekt: Risiko reduzieren, Entscheidungen erleichtern.

Wie stark Vertrauen Entscheidungen beeinflusst, zeigt ein einfaches Beispiel: Wenn du im Ausland etwas essen möchtest und zur Auswahl drei unbekannte Fast-Food-Restaurants und ein McDonald’s stehen, wählst du wahrscheinlich das was du bereits kennst. Nicht, weil die bekannte Marke besonders gute Produkte oder Dienstleistungen anbietet, sondern weil das Risiko einer Enttäuschung geringer erscheint


Wenn uns jedoch ein guter Freund eines der unbekannten Fast-Food-Restaurants empfiehlt und von guten Erfahrungen berichtet, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass wir unsere Wahl ändern. 


Der persönliche Erfahrungsbericht reduziert das Risiko einer Enttäuschung und genau dieser Mechanismus zeigt sich auch im Recruiting.

Was das fürs Recruiting bedeutet

Empfehlungen aus dem eigenen Umfeld liefern ehrliche Informationen und authentische Einblicke. Eine Aussage von jemandem, der wirklich dort arbeitet, ist relevanter als jede Kampagne oder Versprechen auf Stelleninseraten. 


Gerade in Branchen mit hoher Fluktuation und ständigem Fachkräftemangel spielt das eine entscheidende Rolle. Mitarbeiterempfehlungen bieten damit einen der zuverlässigsten Zugänge zu passenden Talenten.


So nutzst du Empfehlungsrecruiting in der Praxis

Was im Recruiting oft unterschätzt wird: das Potenzial von Mitarbeiterempfehlungen lässt sich mit erstaunlich wenig Aufwand nutzen. Es braucht keine teuren Produktionen und keine ausgefeilten Kampagnen. 


Wie leicht und dennoch wirkungsvoll das umzusetzen ist, zeigt ein einfaches Beispiel: Ein Team-Selfie mit ein paar lächelnden Kolleginnen und Kollegen während der Arbeit, gepostet als WhatsApp-Status oder Instagram-Story mit der kurzen Caption: 


„Wir suchen jemanden bei uns im Team.“ 


Mehr braucht es nicht und trotzdem entsteht der zuvor beschriebene Vertrauenseffekt. Denn so werden auf einen Schlag viele Bekannte und Freunde des Teams erreicht und zeigen diese beim Arbeiten in einer authentischen Art und Weise. Solche Beiträge wirken näher, ehrlicher und wesentlich relevanter als klassische Werbung auf Social Media, die wir meistens instinktiv wegklicken.


Wichtig ist jedoch, dass dieser Effekt nicht zufällig entsteht, sondern bewusst angestossen wird. 


Darum sollten Unternehmen ihre Mitarbeitenden aktiv ermutigen, solche Inhalte zu teilen - sei es über den persönlichen Social-Media-Feed, den WhatsApp-Status oder im direkten Austausch im Bekanntenkreis. 


Eine proaktive Ansprache erhöht die Reichweite enorm und macht Empfehlungsrecruiting zu einem bewusst genutzten Kanal statt einem “Zufallsprodukt”.


Warum Wertschätzung entscheidend ist

Damit Empfehlungsrecruiting funktioniert, ist ein Punkt zentral: 


Das Engagement der Mitarbeitenden muss sichtbar geschätzt werden. Eine kleine Prämie, ein Gutschein oder ein einfaches Empfehlungsprogramm reichen bereits aus, um den Mitarbeitenden zu signalisieren, dass ihr Beitrag wichtig ist. Erfahrungen aus der Praxis und Studien aus verschiedenen der EU und den USA zeigen, dass Mitarbeitende, die über Empfehlungen eingestellt werden, länger im Unternehmen bleiben und zufriedener sind (iCIMS & Hanover Research, 2015). 


Das wirkt sich nicht nur positiv auf die Teamkultur aus, sondern kann zu langfristig höherer Produktivität und Zufriedenheit im Team führen und hat einen massgeblich positiven Einfluss auf die Time-to-Hire haben gemäss Radancy (2023) Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter Report. Das bestätigt auch eine Untersuchung von Friebel, Heinz, Hoffman und Zubanov (2022), die zeigt, dass Empfehlungen sowohl den Auswahlprozess effizienter machen als auch messbar positive Effekte auf Teamleistung und längeren Verbleib der bestehenden Belegschaft im Unternehmen haben.

Fazit

Gutes Recruiting muss nicht kompliziert sein. 


Mitarbeiterempfehlungen sind oft wirkungsvoller als aufwendige Employer-Branding Kampagnen und gehören zu den effizientesten Wegen, passende Kandidaten und Kandidatinnen zu erreichen. 


Es braucht vor allem Vertrauen, Wertschätzung und die Bereitschaft, das eigene Team aktiver einzubinden.